Mit Ungewissheit leben

Motiva 39 Kabelsalat

Morgen will ich die Leinen in Tazacorte  loswerfen. Dominica ruft: 5000 Kilometer, vier Wochen auf See. Ich freue mich – und freue mich nicht. Denn ich kann nicht einschätzen, was auf mich zukommt. Mit Ungewissheit leben ist ein zwiespältiger Zustand. Vier Monate lag REYKJA im Hafen von Tazacorte. Meine Wartungsliste war achtundzwanzig Punkte lang. Nur … mehr lesen

Warum?

Cumbra Vieja

„Was sind Deine Pläne?“ fragt jeder jeden am Steg in Tazacorte. „Grenada“ heisst es dann, oder „Gambia“, oder „Griechenland“. Ländernamen wie Luftblasen. Sie glitzern, spiegeln etwas vom Reisenden und zerplatzen oft in Klischees. Was suchst Du denn, in Grenada, Gambia oder Griechenland?, wäre vielleicht besser gefragt. Warum segelst Du? Was für eine übergriffige Frage. „Warum?“ … mehr lesen

In der Parallelwelt

Männer mit wehenden Röcken, Frauen in Tüchern verhüllt. Vernarbte, schreckliche Wunden, Bettlerinnen und Bettler mit hohler Hand, rennende Kinder, betende Männer auf dem Bootssteg, Verwesungs- und Grillgeruch in der Luft, Lastwagen auf der Gegenfahrbahn. Marokko ist eine einzige Reizüberflutung. Für drei Wochen tauche ich in eine Parallelwelt zu Europas langweiliger Vorhersagbarkeit. Dann bin ich voll … mehr lesen

Der halbe Atlantik

Auf See 1

Nonstop segeln von Griechenland nach Gibraltar. Für die 2500 Kilometer brauche ich 15 Tage und einen gut gefüllten Diesel-Tank. Es ist die Hälfte einer Atlantik Überquerung. Und funktioniert. Gute Segelmomente, umsichtige Berufsschiffer und eine geglückte Flucht aus dem fast kochenden Mittelmeer. Reykja verlässt die schützende Bucht von Pylos, Peleponnes. Der gestrige Sturm hat Dünung aufgebaut, … mehr lesen

Vom Seebär zum Landei

Tropfsteinhölhle bei Adrianos

Marina Agios Nikolaos, Kreta. Ich lege rückwärts an. Eine Windböe packt das Schiff und legt es quer. Aus anderen Yachten strömen Helfer, versauen ihre weissen T-Shirts mit dem Schleim von Mooringleinen. Zu fünft vertäuen wir Reykja an Steg C 4. Ein halbes Jahr liegt sie hier. Es wird die beste Zeit meiner Reise bis jetzt. … mehr lesen

Wegschauen – aber wohin?

Zivilisationsmüll - Adrianos Schlucht, Kreta

Das erste, was ich von Griechenland sehe, ist eine schwimmende Pet-Flasche im blauen Wasser vor der Peleponnes. Ich segle ein Mann-über-Bord Manöver und fische sie auf. Das war ein Irrtum. Ein rechter Grieche hätte sie nicht nur treiben gelassen, sondern seinen Papp-Kaffeebecher hinterher geworfen. Tauchen vor der Peleponnes. Schwebeteile vernebeln den Blick, das Wasser wirkt … mehr lesen

Fettnäpfe und Holzpfade

Wer reist, macht sich zum Narren. Man stolpert über fehlende Sprachkenntnis, die ungeschriebenen Regeln, narzisstischen Stolz der Einheimischen. Der Reisende steht in der Hackordnung weit unten – ausser sein Portemonnaie ist prall gefüllt. Wenn dann auch noch Behörden ins Spiel kommen, hilft nur Unterwerfung. „Ochi!“ ruft die Frau von der Coast Guard. “Ochi! No! No! … mehr lesen

Kleine Überraschungen

16 Tonnen REYKJA an Oldtimerkran

Als ich nach drei Wochen in der Schweiz wieder zu Reykja zurückfliege, hat sich das Leben geändert. Nicht unbedingt zum Guten – aber es hätte schlimmer kommen können. Zunächst verlangt Taxifahrer am Flughafen Athen 20 Euro mehr, als sein Kollege vor drei Wochen. «Registered price» sagt er mit fester Stimme. Ich glaube ihm nicht und … mehr lesen

Das Mittelmeer gibt es nicht

Stromboli Ausbruch

Das Mittelmeer sind viele Meere. Sie haben unterschiedliche Namen, Winde, Gefahren, selbst unterschiedlichen Salzgehalt. Auf dem Weg von Menorca über Sardinien, Sizilien nach Griechenland überquere ich drei dieser Meere. Wie hatte ich mich vor meiner Reise gefreut auf den magischen Moment, in dem das Land versinkt und rund um mich nur noch Meer ist. Mystisch … mehr lesen